zwei texte über zürich

Wie bereits letzte Woche angekündigt möchten Mara und ich euch unsere Texte über Zürich vorstellen. Wir haben euch in diesem Post hier erklärt, an was wir in unserem Schreibprojekt gearbeitet haben und wie es dazu gekommen ist. Wir sind gespannt auf eure Meinung!


ANAÏS
Mit einer halbstündigen Verspätung komme ich mit einem der Männer in Seebach an. Wir werden nicht gerade herzlich empfangen: Der Hausbesitzer ist alles andere als glücklich darüber, dass wir so lange auf uns haben warten lassen. Wie ich, hätte der alte mürrische Herr wohl lieber noch etwas länger geschlafen. Nach einer etwas mickrigen Hausführung wird auch mir klar, dass die drei eingeplanten Tage für die Räumung knapp eingerechnet werden. Das Haus ist riesig, und es eine Bruchbude zu nennen, wäre definitiv nicht falsch. Die Wände und Böden sind in keinem formidablen Zustand, das ganze Gebäude wirkt ziemlich heruntergekommen. Trotzdem stimmt die Atmosphäre – alles scheint seinen Platz zu haben. Ich freue mich jetzt schon, im ganzen Haus herumzustöbern und alten Geheimnissen auf die Spur zu kommen.

 Wir haben uns um 7:30 Uhr beim Arche Brockenhaus in Altstetten getroffen: Ich kann nicht genau einschätzen, was ich an diesem heutigen Tag erleben werde. Ich trage meinen Lieblingscardigan und eine bequeme Hose, die sich gut auch zum handfest Arbeiten eignen. Trotzdem fühle ich mich leicht overdressed. Ich bin pünktlich und werde bereits von Michael* erwartet. Er zeigt mir kurz das Büro und erklärt mir im Schnelldurchlauf, was wo ist und was all die Zettel an der Wand bedeuten. Es sind Offerten, die das Arche Brocki seinen Kunden macht, in unserem Fall ist es nun jene eine für eine dreitägige Hausräumung. Das Brockenhaus Arche ist eine Anlaufstelle für Angesteuerte sowie für Menschen mit psychischen Störungen oder Suchtproblemen. Die Arche bietet ihnen Arbeit, hilft den Arbeitern neue Perspektiven zu gewinnen und ihr Leben zu stabilisieren.

Im Hauptsaal des Brockis sitzen mit uns unterdessen zwei weitere Männer am Tisch, die nun zum ersten Mal hören, dass ich sie heute begleiten werde. Einer fehlt, Damir hat nach einer Partynacht am Vorabend verschlafen. Nach einer Viertelstunde ist er immer noch nicht erreichbar, und Michael macht sich mit Pablo auf, den Langschläfer zu Hause zu wecken und abzuholen. Ich ärgere mich in der Zwischenzeit darüber, dass ich nicht selber länger geschlafen habe, ich habe nämlich erfahren, dass wir uns auf den Weg nach Seebach machen. Seebach wäre von mir zu Hause aus ein Katzensprung gewesen, den langen Umweg über das Arche Brocki in Altstetten hätte ich mir sparen können.

 Als dann die anderen drei Männer mit dem verschlafenen Damir in Seebach zu uns stossen, geht die Arbeit richtig los. Sie laden mit plötzlich geballter Energie Kisten aus den Lastwagen und trennen die guten Dinge von den schlechten. Gute Dinge sind alle Gegenstände, die nicht mangelhaft sind und sich im Brockenhaus weiterverkaufen lassen. Alles was defekt oder bereits im Übermass vorhanden ist wandert in die „schlechte“ Kiste oder gleich in Abfallsäcke. Die guten Sachen sind noch nicht über den Berg: Sie müssen eine weitere Sortierphase überstehen und landen erst dann im Brockenhaus zum Verkauf. Glas und Metall werden strikt getrennt. Die Arbeit geht schnell voran und Zimmer für Zimmer wird langsam leer. Ich bin sehr fasziniert von der Sortier- und Ausmistarbeit, fühle mich richtig in meinem Element. Ich haste von Raum zu Raum und biete bereitwillig meine Hilfe an. Etwa fünf Mal weisen mich die galanten Herren darauf hin, dass ich nur die leichten Sachen tragen soll, und dass die schweren Gegenstände von ihnen übernommen werden. Sie unterschätzen meine Muskeln.

 Gegen zehn Uhr gibt es eine Kaffeepause ohne Kaffee. Den konnten sie nicht hervorzaubern. Danach füllen wir Abfallsack um Abfallsack mit verschiedenstem Gerümpel – von alten Pfannen mit wahnsinnig viel Schimmel, abgelaufenen Esswaren und vergammelten Turnschuhen sowie alten Fotos und Gläsern bis hin zu Pornos und Bierflaschen aus dem Kinderzimmer. Tatsächlich finde ich gemeinsam mit Michael verschiedenste Erotikfilme mit zugehörigem DVD-Player. Klischeehafter könnte es kaum sein; versteckte Pornos unterm Bett, Bierflaschen hinter dem Schrank und Wichsflecken auf der Matratze. Dieser niedliche, kleine Junge, der auf verschiedenen Bildern im Zimmer zu sehen ist, ist offenbar unterdessen ziemlich erwachsen geworden.

Nach den glorreichen Entdeckungen vom Vormittag essen wir unsere selber mitgebrachten Sandwichs zu Mittag. Die Gespräche drehen sich um Autos, die von den Männern mit enormen Geschwindigkeiten auf deutschen Autobahnen bewegt werden. Einige der rasenden Arbeiter mussten ihren Führerschein vorübergehend abgeben, andere haben in acht Jahren noch keine einzige Busse erhalten. Nach unserer kleinen Stärkung geht es weiter. Wir sind gut vorangekommen am Morgen. Jetzt geht es vor allem darum, die Schränke und Kommoden, die inzwischen geräumt sind, zu entsorgen. Einige werden weiterverkauft, die meisten aber zerstört. Mir wird ein riesiger Hammer in die Hand gedrückt: Ich soll doch auch einmal probieren, ein Möbel zu zerschlagen. Pablo und Michael haben ihren Spass. Ich stelle mich total ungeschickt an und kann nur mit Mühe mit diesem schweren Hammer aufs Holz einschlagen. Das sieht bestimmt witzig aus, ich hätte mich selber genauso ausgelacht.

 Der ganze Abfall muss aus dem Haus raus und in die zwei Lastwagen gefüllt werden. Anstatt alles aus dem dritten Stock das Treppenhaus herunterzutragen, legen wir drei Matratzen auf den Gehsteig und werfen alles kurzerhand aus dem Fenster. Der erste Gegenstand, den ich mich traue fallen zu lassen, ist ein kleiner schwerer Koffer. Damir merkt schnell, dass da etwas schiefläuft: ob wir diese Schreibmaschine wirklich entsorgen wollen? Nein, natürlich nicht! Das war keine Absicht und wohl ein Fehlwurf. Was für ein Spass, diese kaputtgeschlagenen Möbel auf die Strasse zu schleudern!

 Ich helfe überall mit und lade zusammen mit Pablo die beiden Lastwagen voll. In einer kurzen Pause sagt er mir, dass ich seiner Tochter unglaublich ähnlich sähe. Auf seinem Handy zeigt er mir ein Bild von ihr zusammen mit ihrer Mutter – und tatsächlich: die junge Spanierin sieht mir sehr ähnlich. Und Pablos Ex-Frau erinnert mich an meine Mutter! Als ich ihm das sage, meint er bedauernd, dass er meine Mutter nicht kenne und lacht. Nach und nach werden die beiden Lastwagen gefüllt, die Sonne glüht inzwischen richtig stark und der Frühling grüsst ein erstes Mal dieses Jahr. Einen kurzen Moment lang empfinde ich Mitleid mit meinen Schulkameraden, die jetzt in einem Klassenzimmer sitzen und keine Sonnenstrahlen abbekommen. Aber dann kommt auch schon der nächste Sack geflogen und ich werde gebraucht.

Die Lastwagen sind voll und der heutige Tag neigt sich dem Ende zu. Nun müssen wir mit dem ganzen Abfall ins Hagenholz fahren und alles, was nicht Glas oder Metall ist, im grossen Loch, wie Pablo es nennt, verschwinden lassen. Das Arche Brocki hat einen Vertrag mit der Kehrichtsverbrennung abgeschlossen, sie können ihre Ware billiger entsorgen – die Brockenstube kommt schliesslich fast jeden Tag hier vorbei. Den ganzen Abfall in dieses Loch zu werfen, macht gleich doppelt Spass. Zusammen mit Michael und Pablo versuche ich möglichst viele Fenstergläser und Spiegel zu zerstören, so, dass möglichst viele Splitter entstehen. Das alles tun wir ohne darauf zu achten, dass das wohl sieben Jahre Unglück mit sich bringen könnte. Zur Krönung des Tages werde ich nach Hause gefahren und erhalte als Dank für meine Hilfe die unversehrte Schreibmaschine, die ich ein paar Stunden zuvor versehentlich aus dem dritten Stock geworfen habe.

*Alle Namen im Text wurden geändert



MARA
Zürich. Ein verhaltenes Gefühl von Grossstadt. Pure Freiheit im Sommer. Nicht nur dann: ein eigener Rhythmus. Eine gewisse Ehrlichkeit liegt in den Strassen. Der Schluck eines Lebensgefühls.

Ich laufe durch diese Stadt. Gesichter und Geschichten kommen mir entgegen. Alle scheinen gezeichnet, tragen so viel Unsichtbares mit sich. Ich glaube, dass Gesichter und Geschichten tief miteinander verwoben sind. So gern ich mir diese Geschichten ausdenke, so frage ich mich doch auch immer, wie ich auf diese Menschen wirke. Merken sie, dass ich in diesem Moment kein Ziel habe, sondern einfach draussen mit ihnen eine Strasse teilen möchte und im nächsten Moment vielleicht komplett die Richtung ändere? Merken sie, wie frei ich mich bewege?

Ich habe nämlich lange gebraucht, um zu merken, wie viele Menschen sich nicht frei bewegen können. Gerade jetzt leiden gewisse Menschen unter einem sogenannten Rayonverbot. Es untersagt ihnen, den Stadtraum Zürich zu betreten oder ein gewisses kleines Gebiet zu verlassen. Das ist ein Bruchstück der Realität ‘Schweizer Willkommenskultur’. Sie besteht aus vielen leeren Phrasen und Worten, hinter welchen sich oftmals schreckliche Fakten verbergen. Während ich mich mit diesen Fakten beschäftige, mit Menschen darüber spreche und Lektüre dazu heraussuche, lerne ich nicht nur viel über das Leben unterdrückter Menschen hier, sondern auch über mein eigenes. Vor allem die so selbstverständlich wirkenden Gewohnheiten in meinem Alltag. Ich hinterfragte diese bisher nicht weiter. Fast täglich nehme ich den Tausch von einigen Geldstücken gegen ein Stück Papier namens ‘Ticket’ vor. Eigentlich bin ich es mich gewohnt, mich ohne Papier zu bewegen. Zuhause habe ich nämlich zwei Pässe - diese Seiten, einmal in leuchtend rotem, dann in blutrotem Einband eingefasst. Und die Bedeutung dieser Papierstücke ist von unermesslichen Wert, denn sie scheinen heutzutage mehr zu zählen als jede erdenkbare Tugend. Dabei sind sie bloss Untergrund für weitere leere Phrasen und Worte, die einen ebenso grossen Wert tragen.

Auch ich finde Worte wichtig. Aber nicht diese offiziellen, immer gleichen, in Dokumente gedruckten Worte. Sondern solche, die wir anderen Menschen zu eigen machen können, welchen sonst oft noch die (deutschen) Worte fehlen. Denn so können wir von ihren Geschichten erfahren, ihnen zuhören. Und so nicht nur Gesichtern Geschichten zurückgeben, sondern Menschen Identitäten. Oder wir kommen direkt in Kontakt mit Geflüchteten und sehen unglaublich viele Dinge. Geflüchtete schnappen nach Luft und suchen nach Worten. Haben Schweizer Flaggen als Handyhintergrund und Augen, die vor überschwänglicher Dankbarkeit leuchten, wenn ihnen ein winziger Hinweis zu einem bestimmten Wort gegeben wird.

Mit diesen Eindrücken fing alles an: an einem für Zürich so typisch grauen, verregneten Mittwoch im Februar 2017. Ich moderiere in der ASZ, der Autonomen Schule Zürich. Neben gratis Deutschunterricht, an dem Geflüchtete ‘teilnehmen’ können (die ASZ wehrt sich gegen autoritäre oder andere bestehende Herrschaftsstrukturen, deswegen werden diese Begriffe gewählt), kämpft sie aktiv für ‘globale Bewegungsfreiheit für alle, eine Welt ohne Grenzen’. Ich moderiere also drei Stunden lang einen Deutschunterricht und einige Geflüchtete kennen – nun - einen winzigen Teil mehr von unserer umfangreichen deutschen Sprache. Ich merke, wie sie mir die fremden Laute von den Lippen lesen und sogleich aufsaugen. Sie sind alle unheimlich wissbegierig. Da der Raum aus allen Nähten zu platzen scheint und doppelt so viele teilnehmen wollen wie eigentlich vorgesehen, geben sie sich auch mit einem Platz zwischen Tür und Angel zufrieden, teilen sich diesen sogar mit mehreren anderen Menschen. Vorurteile bleiben vor dieser Tür stehen – hier treffen verschiedenste Menschen aufeinander. Man könnte meinen, es würde so nicht funktionieren. An einem Punkt würde diese Idee der ASZ scheitern. Aber die Dinge dort haben ihren ganz eigenen Ablauf. Versuche ich ein Wort wie ‘Ellenbogen’ zu erklären, ist das noch einigermassen einfach. Sobald es aber abstrakter wird und ich zu erklären versuche, dass ‘Schlange’ sowohl ein Tier wie auch einige wartende Menschen hintereinander bezeichnet, wird es schwieriger. Aber irgendwie klappt es immer – und hat es erst einmal jemand kapiert, ruft er es in seiner Sprache aus, und wer diese und eine weitere Sprache spricht, gibt die Bedeutung weiter. Wir lernen alle miteinander. Und die ASZ hat vielleicht nicht globale Bewegungsfreiheit für alle geschaffen, aber sie schenkt uns einen Raum, in der wir eine Welt entstehen lassen. Eine Welt ohne Grenzen.

Genau so funktioniert die ASZ. Manche sind einmal in diese Welt ohne Grenzen eingetaucht und wollen zurückkehren. Und das ist unglaublich einfach, weil die ASZ uns diesen Raum zur Verfügung stellt und allmögliches Lernmaterial, damit zusammen gesprochen und ausgetauscht werden kann. Zumindest wird das versucht. Die Geflüchteten bemühen sich mit Kopf, Herz und Seele, Händen und Füssen. Genau wie ich. Wir befinden uns an diesem Ort hier, wo wir alle gleich viel bedeuten. Wir sind alle gleich, wir sind alle Menschen. Wir haben alle unterschiedliche Sachen erlebt. Sie jedoch teilen eine Erfahrung, die schrecklich war und von nun an ihr ganzes Leben bestimmen wird. ‘Auf Asyl warten ist wie schwanger sein – man wartet und wartet, und dann ist dieser Augenblick da, in welchem sich alles ändert’ sagt ein Mädchen. Mag sein, dass die ASZ für viele nur ein Warteraum ist, nachdem sie sich doch wieder in dieses System einordnen müssen, in welches uns der Staat presst. Aber sie haben einen der schönsten und pursten Orte Zürichs kennengelernt. Danach bekommen sie endlich auch ein Stück Papier. Mit viel Glück steht das Wort ‘Aufenthaltsbewilligung’ darauf, dahinter ein einzelner, lose wirkender Grossbuchstabe. N, B oder F. Oder etwas ganz anderes. Und dieses vermeintliche unscheinbare Wort soll sein, was eine vage Vorstellung der Zukunft skizziert.


londons schönste buchhandlungen

London ist definitiv eine Buchstadt. Das erlebt man zum Beispiel, wenn man die Öffentlichen nutzt - so viele Leute sitzen mit einem Buch da, anstatt in ihr Handy zu starren, was ich zumindest hier in Zürich viel öfter sehe. Aber vor allem erkennt das auch an den vielen mit Liebe geführten, unabhängigen Buchläden. Auch die Ketten sind alle wunderschön eingerichtet, aber alleine der besonderen Auswahl wegen möchte ich euch wirklich die kleinen unabhängigen vorstellen und empfehlen. Wie im Monatsrückblick erwähnt, war mein letzter London-Besuch noch gar nicht lange her, nicht mal ein Jahr. Deswegen haben wir dieses Mal auch einige Buchhandlungen 'ausgelassen' und dafür andere besucht. Empfehlen möchte ich heute aber deswegen einfach die Besten der Besten!

The Brick Lane Bookshop, Brick Lane

Die Brick Lane ist die Strasse in Shoreditch, die dem Vierteln den Adjektive 'kreativ, jung, ausgefallen' verleiht. Besonders am Wochenende gibt es in jeder leerstehenden Fabrikhalle (und davon gibt es unendlich viele) verschiedene Märkte und junge Kreative, die hier ihre eigenen Sachen verkaufen oder sich einfach inspirieren lassen. Die Strasse und Umgebung ist auch geschmückt mit wunderschönen Buchhandlungen, und eine davon ist 'The Brick Lane Bookshop'. Hier gefällt mir besonders die Auswahl an Poetry Büchern, die zwar nicht unbedingt grösser als anderswo ist, dafür aber spezieller und einfach wunderschön sortiert.


Bildergebnis für the brick lane bookshop

Libreria, Hanbury Street

Die Libreria London ist eine wunderschöne kleine ausgefallene Buchhandlung gleich um die Ecke von Brick Lane. Hier handelt es sich um einen Laden, der aus einem eigenartigen Holzgerüst gebaut ist und dadurch einfach rein architektonisch Aufmerksamkeit auf sich zieht. Dies allerdings gerechtfertigt, denn die Beratung ist nett und die Auswahl sehr speziell, aber super gut. Es lohnt sich auf alle Fälle, hier vorbeizuschauen, auch wenn der Laden an sich sehr klein ist. Denn die Hanbury Street ist viel ruhiger als die Brick Lane und man findet hier auch viele kleine Cafés und Vintage Läden (gleich nebenan mein Liebling: Blitz London! Man findet hier sogar auch spottbillige, schöne Klassiker!).



The London Review Bookshop, Bury Place

Diese Buchhandlung klingt wunderschön und wahrscheinlich auch recht vertraut in den Ohren - The London Review of Books ist nämlich ein Magazin, welches aktuelle Bücher 'reviewed', und das schon seit langer Zeit. Der Buchladen dazu ist vielleicht ein bisschen herkömmlicher, dafür sehr geräumig und mit dazugehörendem Café. Die Auswahl ist angemessen gross und so erinnert mich die Buchhandlung an viele in Zürich - gross, geräumig und zwar irgendwie normal, aber eben trotzdem besonders. In den anderen Buchhandlungen stosse ich mehr auf interessante, mir unbekannte Bücher, hier finde ich vor allem solche, die ich vorhatte, zu kaufen.



Tate Modern / Tate Britain Bookshop

Eine kleine Empfehlung zwischendurch sind Museumbuchhandlungen. Wer sich wie wir für Kunst und zum Beispiel Mode oder Graphic Design interessiert, wird in solchen auf jeden Fall fündig. Besonders gross und umfangreich empfand ich beide Shops der Tate Museen!

Bildergebnis für tate modern shop

Bildergebnis für tate modern shop

The Broadway Market Bookshop, Broadway Market

Broadway Market ist eine der schönsten Strasse in London! Seit Shoreditch so in ist, sind die alternativen Künstler ein bisschen weitergezogen und finden sich vor allem in Hackney wieder. Eines der Highlight dieses tollen Viertels ist definitiv der Broadway Market. Die kleine, liebevolle Strasse ist Schauplatz eines wunderschönen Markts am Samstag. Es tummeln sich überall junge, kreative und sehr eigene Leute. Rechts und links zieren zahlreiche unterschiedliche Restaurants den Markt und hauchen der Strasse auch unter der Woche viel Leben ein. Daneben gibt es noch ganze drei Buchläden an der kleinen Strasse, was einfach für sie spricht, oder nicht? Dazu sind sie alle immer gerammelt voll... Und trotzdem absolut ein Besuch wert. Der herkömmlichste ist wohl 'The Broadway Market Bookshop'. Hier gibt es eine grosse Auswahl an Fiktion. Der Buchladen ist flächenmässig wohl klein, aber mit Buchregalen von oben bis unten und mit vielen Geschichten zwischen den Wänden. Er erstreckt sich über ganze drei Stöcke, die aber je nur eine winzige Fläche aufweisen. Besonders der unterste Stock ist super klein, höchstens drei Personen können sich darin aufhalten. Dort ist es aber trotzdem irgendwie gemütlich, zumindest sehr heimelig, und die Auswahl an guten Büchern ist vor allem riesig!





Artwords Bookshop, Broadway Market

Weiter entlang am Broadway Market, vom Richtung Fluss in Richtung Park! Dann begegnet uns nämlich der 'Artwords Bookshop' mit einem vielversprechenden Fenster. Falls ihr Magazine, besonders besondere Magazine genauso mögt wie ich, seit ihr hier auf alle Fälle mehr als richtig! Aber trotzdem gibt es auch ganz viele wirkliche Bücher in allen Dingen Kunst - Graphic Design, Fashion und und und. Und eine kleine, feine Auswahl an Belletristik, angelehnt an Kunst, Musik und kreative Selbstverwirklichung wie viele Autobiographien findet man hier auch.

Bildergebnis für artwords bookshop

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Donlon Bookshop, Broadway Market

Zuletzt mein liebster Laden - The Donlon Bookshop. Hier reihen sich ganz viele wichtige Bücher von tollen Autor_innen aneinander, und dazwischen stecken etliche Neuentdeckungen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ein Buch von dort schlecht sein könnte - die, die ich kannte, habe ich alle absolut geliebt. Die, die meine Eltern kannten, haben sie absolut geliebt. Pasolini an Arendt haben wir also Stunden in diesem winzigen, mit Bücher und Kunst liebevoll eingerichteten Laden entdeckt und auch lange mit der Person dort gesprochen und einige tolle Insidertipps abgesahnt. Eines der schönsten Buchladenerlebnisse, dass ich je hatte, und das mehrmals. Und ich freue mich schon jetzt, wieder dorthin zurück zu kehren!







Allerdings... es gibt noch so viel zu entdecken! Einige Buchläden / Magazinläden möchte ich noch in London entdecken - natürlich die, an die man einfach heranläuft, aber auch solche, die ich wirklich (oh ja, ich geb's zu) im Internet zusammengesucht habe. Hier eine kleine Liste davon, falls ihr noch nicht genug Buchläden habt ;)

Foyles, Charing Cross Road...
...ist eine Buchhandlung, die tatsächlich noch unabhängig ist, aber riesig und anscheinend alles haben soll!

Daunt Books, Marylebone High Street...
...ist fast ein Klassiker. Bestimmt habt ihr auch schon Bilder gesehen von dieser Traumbuchhandlung - übrigens sind die Bücher nicht wie sonst geordnet, sondern nach Nation der Autor_innen, was ich sehr, sehr interessant finde!

Gosh, Berwick Street...
...verkauft alles, was mit Graphic Novels etc. zutun hat, eine Sparte, in die ich gerne ein wenig mehr eintauchen würde!

The Persephone Bookshop, Lamb's Conduit Street...
...gibt selbst Bücher heraus in einer sehr speziellen Gestaltung. Interessant!

Ti Pi Tin, Stoke Newington High Street...
...ist leider ein bisschen ausserhalb, deswegen hat es dieses Mal nicht geklappt. Es gibt da unglaublich viele kleine Magazine - Zines also, Selfpublishing wird hier gross geschrieben.

Lutyens and Rubinstein, Kensington Park Road...
...sieht auf Fotos einfach wunderschön aus und soll solide Fiktion verkaufen.

Claire de Rouen Books, Charing Cross Road (Achtung! - im zweiten Stock)...
...hat anscheinend eine riesige, tolle Auswahl an Büchern zum Thema Fashion, sehr spannend.


a typical girl | livresque amitié


Hier erzählt eine Freundschaft von ihrer Liebe zu Worten, dem Schreiben und Büchern.

Wir suchen uns Bücher aus, die uns faszinieren und lesen diese dann gleichzeitig. Während und unmittelbar nach dem Lesen behalten wir unsere Gedanken nur bei uns und widmen sie einzig einem Notizbüchlein. Später tauschen wir dieses dann aus um an der Meinung der jeweils anderen teilzuhaben. Hier erfahren wir dann, ob wir das Gelesene gleich  empfanden oder ob es Differenzen in unseren Ansichten zum Buch gibt. In den folgenden Beiträgen dieser etwas anderen Buchbesprechung werden auch die Seiten unserer Notizbüchern abgebildet, damit auch ihr als Aussenstehende zwei oder mehr direkte Auffassungen von ein und demselben Buch zu lesen habt. Wir sind wahnsinnig gespannt auf dieses Experiment, in dem wir euch einerseits Bücher vorstellen, die Mara und Anaïs gemeinsam gelesen haben und andererseits auch Bücher, die wir in unserer Lesegruppe mit anderen Freunden lesen!


London, Mitte der Siebziger. Die Popkultur wird neu erfunden, in der revolutionären Ursuppe des Punk scheint alles möglich. Aber gilt das auch für Frauen? Gibt es außer Groupie, Elfe oder Rockröhre noch andere Rollen? Besteht vielleicht zum ersten Mal die Chance, mit allen Typical-Girl-Klischees aufzuräumen, statt selber eins zu werden? 

Viv Albertine wurde zum Riot Girl, lange bevor es diesen Ausdruck gab. Bei den legendären Flowers of Romance kreierte sie neben Sid Vicious (später Sex Pistols) und Keith Levene (später PIL) ihren individuellen Gitarrensound. Um dann mit den Slits, der ersten autonomen Frauenpunkband, die Türen aufzustoßen, durch die später Madonna oder Lady Gaga eigene Wege gehen konnten.


Anaïs:

Endlich, endlich, endlich habe ich Viv Albertines Meisterwerk beendet. Ach du meine Güte - ich bin gerade richtig traurig, durch - und aufgewühlt. Trotzdem ist irgendwo in mir auch ein Funken Glück. Wie unglaublich ein solches Menschenleben doch ist. Alles hat nur damit zu tun, was du daraus machst. Du kannst alles machen. Die Jugend, meine Zeit jetzt, ist die wohl am meist prägende Zeit in meinem Leben. Die Leute, die mir jetzt begegnen, die Dinge, die ich jetzt tue, die Gedanken, die ich jetzt habe - alles, was mich aus macht, wird so tief in mir verankert sein. Ich bin MITTEN IM LEBEN. Für mich ist das gerade unglaublich wichtig zu verarbeiten und zu realisieren. Ein Leben ist von so vielem geprägt. So viel Schmerz, Trauer und Unglück. So viel Liebe, Freude und Glück - alles mögliche. Es ist so wunderbar toll, dass Viv Albertine dieses Buch geschrieben hat. Ihr Leben jetzt im speziellen, ist natürlich geprägt von extremen Höhen, wie dem riesigen Erfolg mit ihrer ersten Punk-Frauen Band The Splits und von extremen Tiefen, wie schweren Verlusten und Krankheiten. Aber trotzdem - ein Leben wie eigentlich jedes Andere. Eine richtige Inspiration, diese Frau. Natürlich, weil sie mir sympathisch vorkommt oder weil ich es toll finde, was sie macht. Aber vor allem deswegen, weil sie in ihrem Buch so absolut ehrlich ist und uns Lesern einfach knallhart sagt, was Sache ist. Leben kann so schön sein und doch ist es am Ende des Tages einfach nur traurig.



Mara:

Viv Albertine berührte mich unglaublich mit ihren Memoiren. Mit einer intensiven Eindringlichkeit reflektiert sie ihr Leben ohne Fehler ihrer Vergangenheit zu verurteilen. Dabei schwankt sie authentisch zwischen strotzendem Selbstbewusstsein und leiser Schüchternheit. Wir folgen ihr durch ihr Leben und werden dabei auf Details sensibilisiert, die wir auch in unserem eigenen Leben wiederfinden. Gegenstände, die uns ein Leben lang begleiten, Dinge, denen wir im Alltag zu wenig Dankbarkeit schenken. Interessant fand ich auch, wie sie über andere schreibt: auch wenn sie an einigen etwss zu kritisieren hat, bewundert sie mit grosser Ehrlichkeit bestimmte Stärken wie Subkultur und Kunstschulen, Metropolen wie London und persönlicher Bewusstwerdung empfand ich Viv Albertines Buch als eine grosse Inspiration und strich viele Zitate an. Denn auch literarisch hat sie das eine oder andere zu bieten.



Amber:

Ich bin froh, "A typical Girl" von unserer lieben Viv Albertine April 17 nach geraumer Zeit endlich auf den Stapel gelesener Bücher legen zu können.

Durch ihre rohe Art der Schilderung der wechselhaften Ereignisse ihres Lebens, konnte ich mich immer auf eine sehr lebendige Weise in Viv hereinfühlen. Es war nicht selten der Fall, dass mich während des Lesens des 500 Seiten lange Stück las, mich ein tiefes Schamgefühl überkam, ein Kichern hervorrutschte oder fast hervorstiess. Ganz selten gaben mir ihre intimen Zeilen auch eine Art von Wohlbefinden und Sicherheit, dass das Leben trotz all seiner Tiefen uns hin und wieder ein Licht offenbart.